Sie sagen “Reinigen”, sie meinen: Chloren!

Ein Kommentar von Angelika Paul

Ente gut – alles gut ? (Werbung Berliner Wasserbetriebe)
Die gute Nachricht: Die Gefahr der Keimverseuchung scheint gebannt.
Die schlechte Nachricht: Mit der Holzhammermethode ist es möglich, das Trinkwasser frei von – lebenden – Bakterien zu halten. Es wird weiterhin gechlort. Das Chloren spricht für die – schlechte – Güte der Qualität des Wassers und bedeutet eine starke Qualitätseinbuße. Und es ist – umwelt- und eventuell gesundheitsschädlich!

Auf Grund der Umweltschädlichkeit und Giftigkeit von Chlor und vieler chlorhaltiger Verbindungen wird gefordert (und es werden teilweise Anstrengungen dazu geleistet), Chlor zu vermeiden und durch chlorfreie Verbindungen und Prozesse zu ersetzen. Mehr bei Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Chlor

Chlor ist schlichtweg ein Giftgas, das in diesem Fall in Wasser gelöst ist. Im Krieg wurde es unter dem Namen „Grünkreuz“ als Kampfgas eingesetzt. Die geringe Konzentration im Trinkwasser ist für uns zwar nicht lebensgefährlich, entfaltet seine Wirkung aber natürlich auch auf den Menschen, insbesondere auf die Atemwege.

Die Befürchtung ist, dass bei dieser und künftigen Trinkwasserprivatisierungen statt Kontrollen und Pflege einfach Chlor nachgekippt wird. Mit den privaten Konzernen Veolia und RWE  wurde in der Berliner Daseinsvorsorge ein Vertrag geschlossen, der zwar die Gewinnsicherung im zweistelligen Prozentbereich den Privaten für jede Eventualität garantierte (§ 23, Konsortialvertrag), aber nicht die Qualitätssicherung des Lebensmittels Nr. 1 vertraglich festlegte. Die Politik hat somit massiv gegen ihren Amtseid verstoßen, indem sie es zulässt, dass Millionen Bürger für eine schlechter werdende Wasserqualität einen immer höheren Kauf-Preis entrichten muss.

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4 Responses to Sie sagen “Reinigen”, sie meinen: Chloren!

  1. Peter Kaul says:

    Eine Ente ist ein schlechtes Symbol für Reinheit und Sauberkeit in Bezug auf Wasser.(nichts gegen Enten!). Im Krankenhaus ist die Ente ein Gefäß in das „reinpinkelt“ wird.

  2. Das ist Bullshit – und verantwortungslose Angstmache. Die Infrastruktur der Berliner Wasserbetriebe ist im Bundesvergleich glänzend instand gehalten, das zeigen sämtliche Kennziffern, das Investitionsniveau ist deutlich überdurchschnittlich. Die vorsorgliche Chlorung (nur im Wasserwerk Spandau) in Abstimmung mit den Gesundheitsbehörden hat nichts mit schlechter Wasserqualität zu tun, sondern erfolgt sicherheitshalber bis zur endgültigen Abklärung der Quelle der in der letzten Woche festgestellten Verunreinigung. Sie erfolgt so, dass im gelieferten Wasser kein freies Chlor mehr enthalten ist, von einer Qualitätseinbuße kann keine Rede sein. Nach dem Bakterienfund im Wasserwerk wurden sofort Gegenmaßnahmen ergriffen, die dann im eigentlichen Trinkwassernetz genommenen weiteren Proben waren dann negativ. ‚Verseuchtes Trinkwasser‘ hat es also nicht gegeben, das vorsorglich ausgesprochene Abkochgebot konnte nach Vorliegen der Laborergebnisse wieder aufgehoben werden, weil eben keine Gefahr bestand.

    Also: der Vorfall hat gezeigt, dass das System der engmaschigen, ständigen Qualitätskontrolle und des vorbeugenden Gesundheitsschutzes funktioniert. Das abgestimmte Vorgehen von Wasserbetrieben und Gesundheitsamt hat eine potentielle Belastung der Bevölkerung sprichwörtlich ‚im Keim erstickt‘. Genau so handelt jeder verantwortungsvolle Wasserversorger: In Abstimmung mit den Gesundheitsbehörden wird präventiv das Notwendige getan. Übrigens wird das (‚rein kommunale‘) Wasser der Stadtwerke München seit Wochen wegen Bakterienproblemen gechlort. In vielen kommunalen Wasserwerken ist es ohnehin Standard, je nach Verhältnissen vor Ort und je nach Rohwasserqualität (z.B. oft bei Talsperrenwasser). Es gelten für eine Behandlung von Trinkwasser mit Chlor oder Chlordioxid in Deutschland strenge Regeln und Grenzwerte. Laut Trinkwasserverordnung darf auch der lebenslange tägliche Konsum von Trinkwasser keine gesundheitliche Beeinträchtigung mit sich bringen – das ist die Leitlinie für alle konkreten Vorschriften und Grenzwerte.

    ‚Skylla und Charybidis‘ ist also vollkommen deplatziert. Bakterien im Trinkwasser sind eine reale Gesundheitsgefahr, eine fachgerechte und vorschriftsmäßige Desinfektion, zumal eine temporäre für einen kurzen Zeitraum, ist es nicht. Das wird jede/r unabhängige/r Experte/in bestätigen.

    Das Berliner Trinkwasser braucht nicht gechlort zu werden, weil es keimfrei aus dem Grundwasser entnommen und extrem sorgfältig behandelt wird, um diese natürliche Keimfreiheit zu behalten. Es ist das am besten kontrollierte Lebensmittel, das überhaupt erhältlich ist. Dass es – erstmals seit Jahren – bei den tausenden ständig genommenen Proben EINEN Keimfund gegeben hat, ändert daran nichts. Alle Brunnen, die als Quelle der Verunreinigung potentiell in Frage kommen, sind außer Betrieb genommen und werden nun genauestens untersucht. Möglicherweise ist an einer Stelle Oberflächenwasser, das in der Regel Keime enthält, durch eine Undichtigkeit eingedrungen. Ist sie lokalisiert, wird sie dicht gemacht oder der betreffende Brunnen nicht wieder ans Netz genommen.

    Falschinformationen und unverantwortliche Panikmache à la „Wollt Ihr wissen“ dienen nur den wahren Wasser-Privatisierern: denen, die abgestandenes Flaschenwasser in einem Land für teures Geld verkaufen, in dem mit das beste Trinkwasser der Welt rund um die Uhr sicher und sauber für rund einen halben Cent pro Liter zur Verfügung steht.

    • wolltihrwissen says:

      Wer schreibt hier Bullshit? Ihr Rohrnetz ist schlecht gewartet und deshalb undicht! So sieht es derzeit aus, Herr Kolbeck! Noch Fragen?

      http://www.tagesspiegel.de/berlin/nachrichten/4512140.html

      Berliner Trinkwasser wird nach Verkeimung weiter gechlort

      Berlin – Der viele Regen der vergangenen Wochen hat nach Angaben der Berliner Wasserbetriebe (BWB) das Spandauer Trinkwasser mit coliformen Keimen verschmutzt.

      Durch undichte Stellen sei Oberflächenwasser eingedrungen. Da noch Keime vorhanden sein können, werde das Wasser in Teilen von Berlin vorerst weiter mit Chlor behandelt. Laut BWB ist es zwar ohne Einschränkungen als Trinkwasser geeignet, allerdings sei Chlorgeruch nicht auszuschließen. obs

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