Auf eilig angelegten Webseiten, wie z.B. www.wolltihrwissen.de, www.wollt-ihr-wissen.net u.ä. beantwortet die Geschäftsführung der Berliner Wasserbetriebe seit ein paar Tagen Fragen. Sie beziehen sich explizit auf www.wollt-ihr-wissen.de und begründen ihre Initiative wie folgt: „Wir – die Berliner Wasserbetriebe – haben uns bisher nicht an den politischen Auseinandersetzungen u.a. um die Offenlegung der Verträge beteiligt.“
„Neben der politischen Auseinandersetzung wird jetzt – und das ist neu – die Arbeit der Berliner Wasserbetriebe sowie deren Produkte und Dienstleistungen gezielt diskreditiert.“
„Bei diesen 133 Fragen wird ganz gezielt eine Grenze überschritten. Denn in vielen dieser Fragen schwingen Unterstellungen gegen uns, unsere Mitarbeiter und unsere Produkte und Dienstleistungen mit, die die Grenze zur Lüge streifen.“
„.Also haben wir die Fragen beantwortet, zumindest all jene, für die wir im engeren oder weiteren Sinne Adressat sind.“
Die Fragen beantwortet? Wir sprangen alle von den Stühlen! Wer hätte daran noch geglaubt? Dann die Enttäuschung: Nur einige Fragen beantwortet. Oder die Antwort sieht z.B. so aus:
“13. … wohin die zugesagten 2,55 Milliarden Euro Investitionen für den Zeitraum 1999 – 2009 geflossen sind? In die Berliner Infrastruktur zur Wasserversorgung und Abwasserbehandlung, wobei 85 % der Aufträge an regionale Firmen vergeben worden sind.” – Wenn es zu Milliardeninvestitionen nur so viel zu sagen gibt, dann hat die Antwort oben uns auch davon überzeugt, dass alles, was bei der Teilprivatisierung eines Betriebes von der Größe und Bedeutung der Berliner Wasserbetriebe in 718 Seiten reinpasst.
Als wir weiter durch die Rubriken stöberten, stellten wir fest: die Wasserbetriebe haben doch ALLE 133 Fragen kommentiert, die wir am 17.01 auf einer Pressekonferenz vorgestellt haben. Das bedeutet vermutlich, dass sie von allen Fragen angesprochen fühlten. Gibt es ein schöneres Kompliment?
Die Aussage, dass man Unterstellungen zu Mitarbeitern, Produkten und Dienstleistungen zurückweisen wolle, gibt uns allerdings noch zu denken. Schon in „Antwort 2“ nehmen die BWB gleich zu Aussagen der SPD und der Linken in Berlin Stellung. Sind die am Ende gemeint mit „Mitarbeitern, Produkten und Dienstleistungen“ der Berliner Wasserbetriebe? Allmählich kommt Klarheit ins Dunkel.
Leute, wir hätten einfach mal richtig fragen müssen! Wieso sind wir nicht früher drauf gekommen! Der Ton ist zwar noch leicht gereizt, die Antworten der BWB-Geschäftsführung teilweise noch etwas einsilbig, aber es sind doch echte Antworten, oder? Wozu haben wir hunderttausende Unterschriften gesammelt? Auch Privatfirmen in Monopolsituationen der Daseinsvorsorge können durchsichtig werden wie ein Glas Wasser!
Daher an dieser Stelle der Aufruf: Von jetzt an NICHT mehr Briefwählen und nicht am Sonntag mit JA! stimmen. Der Volksentscheid könnte diese zarte, gerade entstandene und ganz und gar wunderbare VERTRAUENSSITUATION wieder zerstören! Nach UNTERLAGEN zu fragen, ja sogar per GESETZ zu fixieren, und nicht Veröffentlichtes NICHTIG zu erklären – all das würde die neue Offenheit bei der Geschäftsführung ZURÜCKSTOSSEN, sie könnten sich für immer oder die nächsten 19 Jahre wieder in ihre informationspolitische Emigration zurückziehen – und dann müssten wir uns die Antworten ja wirklich aus den per Gesetz offengelegten Unterlagen zusammensuchen – wollt ihr das?
Für den eiligen Querleser: Vorsicht! Der Beitrag enthält ironische Passagen. Ernst meinen es hingegen die Berliner Wasserbetriebe und die sie offenbar völlig kontrollierenden Privatfirmen Veolia und RWE.
Sie haben unser Wasser. Gekauft per Geheimvertrag.
Sie haben unsere Parteien. Wie, sei hier offengelassen.
Sie kriegen unser Geld, Jahr für Jahr.
Jetzt wollen sie auch noch unseren Wahlkampf zur Volksabstimmung.
Lasst es euch nicht gefallen. Nehmt zehn statt zwei mit zur Abstimmung.
